Vom Verbrenner zum Elektroauto: Explodieren dadurch die Stromkosten zuhause?
- Jan Würgler

- 14. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Viele Menschen überlegen sich aktuell den Umstieg vom Verbrenner auf ein Elektroauto. Neben Themen wie Reichweite, Ladeinfrastruktur oder Anschaffungskosten taucht dabei fast immer dieselbe Frage auf: Wie stark steigen eigentlich die Stromkosten zuhause wirklich an?
Anhand einer realen Verbrauchsanalyse eines Schweizer Haushalts lässt sich diese Frage erstaunlich gut beantworten.
Beim analysierten Beispiel handelt es sich um einen 3-Personen-Haushalt in einer 5.5-Zimmer-Wohnung mit rund 170 m² Wohnfläche im Kanton Aargau. Geladen wird das Elektroauto hauptsächlich zuhause. Dadurch entsteht ein realistisches Bild eines modernen Schweizer Haushalts mit erhöhtem Energiebedarf.
Vor der Anschaffung des Elektroautos lag der Stromverbrauch des Haushalts relativ konstant bei rund 650 bis 700 kWh pro Quartal. Nach der Einführung des Elektroautos erhöhte sich der Verbrauch auf rund 1’400 bis 1’900 kWh pro Quartal. Der gesamte Stromverbrauch hat sich damit ungefähr verdoppelt.
Auf den ersten Blick wirkt das enorm. Entscheidend ist jedoch, was hinter diesen Zahlen steckt. Denn ein Elektroauto ersetzt gleichzeitig Benzin- oder Dieselkosten, Tankstellenbesuche und einen grossen Teil der fossilen Energie. Die Energie, die früher an der Tankstelle gekauft wurde, erscheint nun einfach auf der Stromrechnung.
In der ausgewerteten Analyse zeigte sich, dass rund 60% der gesamten Stromkosten auf das Elektroauto entfallen. Die Wohnung selbst blieb energetisch weiterhin auf einem normalen Niveau. Die zusätzlichen Stromkosten durch das Fahrzeug lagen – je nach Strompreis – ungefähr zwischen CHF 120 und CHF 250 pro Monat. Das entspricht in vielen Fällen deutlich weniger als die früheren Benzinkosten.
Viele vergleichen beim ersten Blick lediglich die Stromrechnung. Früher lagen die Stromkosten beispielsweise bei CHF 250 pro Monat und heute vielleicht bei CHF 600. Dabei wird oft vergessen, dass gleichzeitig mehrere hundert Franken Benzinkosten wegfallen. Betrachtet man die gesamten Mobilitäts- und Energiekosten zusammen, fällt der Unterschied oft deutlich kleiner aus als erwartet.
Interessant ist zudem, dass nicht nur der Verbrauch die Rechnung beeinflusst, sondern vor allem auch der Strompreis. Während der Energiekrise 2023 stiegen die Strompreise teilweise massiv an. Obwohl der Verbrauch ähnlich blieb, verdoppelten sich teilweise die Kosten pro Kilowattstunde. Das zeigt: Nicht das Elektroauto allein ist entscheidend, sondern die generelle Entwicklung der Energiepreise.
Ein Elektroauto benötigt naturgemäss viel Energie, insbesondere wenn regelmässig gefahren und zuhause geladen wird. Gleichzeitig wird Strom in modernen Haushalten immer stärker zur zentralen Energiequelle: für Heizung, Warmwasser, Mobilität und Haushaltsgeräte. Der Stromverbrauch steigt dadurch zwar an, gleichzeitig sinkt jedoch die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
Besonders spannend ist, dass die Wohnung selbst trotz der höheren Gesamtwerte energetisch weiterhin effizient erscheint. Der grösste Zusatzverbrauch entstand klar durch die Mobilität und nicht durch einen ineffizienten Haushalt. Gerade bei einem grösseren Haushalt mit 170 m² Wohnfläche zeigt sich, dass der Umstieg auf Elektromobilität den Energieverbrauch vor allem transparenter macht.
Der Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto verändert die Stromrechnung also deutlich sichtbar. Das bedeutet jedoch nicht automatisch höhere Gesamtkosten. Tankkosten fallen weg, Energie wird effizienter genutzt und ein grosser Teil der Mobilität wird direkt zuhause geladen.
Wer die Stromrechnung isoliert betrachtet, erschrickt oft zuerst. Betrachtet man jedoch die gesamten Mobilitäts- und Energiekosten, zeigt sich häufig ein ganz anderes Bild. Das Elektroauto verschiebt einen Teil der Kosten von der Tankstelle auf die Stromrechnung, nicht zwingend ins Budgetplus.

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Jan Würgler
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