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Zukunftsfähige Branche? Wie sich Finanz- und Immobiliendienstleistungen entwickeln


Man spricht bei ihr von einer zweiten industriellen Revolution und prophezeit ihr in Folge eine Umwälzung der gesamten Gesellschaft - die digitale Transformation. Sie umfasst dabei nicht nur das exponentielle Wachstum digitaler Technologien, sondern sie durchdringt ebenso unser soziales Miteinander.


Arbeitsbranchen unter Druck

Zukunftsaussichten, welche Folgen die digitale Transformation auf die Arbeitsbranchen haben werden, gibt es unendlich viele. Einige bekannte Forscher*innen zeichnen ein düsteres Bild, wobei andere davon ausgehen, dass die Möglichkeiten die negativen Folgen kompensieren werden (Stichwort: Schaffung neuer Arbeitsplätze und -bereiche).

Ursprung der kontroversen Diskussion ist eine grossanlegte Oxford-Studie der Ökonomen Osborne & Frey (2013, 2016)[1], die eine Zukunft der Arbeit mit konkreten Daten aufzeigen. Ihre Prognose: bis zum Jahr 2033 bleibt kein Stein auf dem anderen. Sie zeigen global auf, wie viel % der Beschäftigungsverhältnisse aufgrund von digitalen Technologien und Automatisierungen verschwinden werden. In Europa gehen sie davon aus, dass rund 54% aller heute bestehenden Jobs mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisiert werden und somit verschwinden. Dabei identifizieren die Forscher konkrete Branchen, die von diesen Automatisierungen besonders betroffen sein werden. Nach Osborne & Frey (2016) ist eine Tätigkeit umso mehr gefährdet zu verschwinden, je mehr sie nach dem gleichen Muster, routiniert und prinzipiell automatisierbar ablaufen. Sobald sich die Tätigkeit jedoch in komplexen und unstrukturierten Umgebungen zurechtfinden müssen, ist sie nur schwer automatisierbar und mit digitalen Technologien zu ersetzen. Das Gleiche gilt für komplexe soziale Anforderungen. Wo es auf umfassendes Orientierungsvermögen, grosse Kreativität und soziale Intelligenz ankommt, gibt es kaum Automatisierungs-wahrscheinlichkeiten.


Gewinner*innen

Precht (2022)[2] spricht als Folge von vier Branchengewinner, die mit der digitalen Transformation und damit verbundenen Veränderungen gestärkt hervortreten und an Bedeutung sowie Anerkennung gewinnen werden. Nebst der IT-Branche, dem Handwerk und empathischen Berufen, ist es der Bereich in der es Kreativität benötigt, komplexe, aber nicht vorrangig technische Probleme zu lösen. Ökonomen bezeichnen dies als quartären Sektor der hochrangigen Dienstleistungsberufe. So benötigen komplexe Planungen und Projektmanagement, bei denen es nicht nur um Prozesse sondern ebenso um Menschen geht, Kreativität und eine hohe soziale Intelligenz. Es gilt in diesen Fällen, die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Beteiligten abzustimmen, deren Schwächen und Kompetenzen zu erfassen und die Motivation zu fördern. Diese Tätigkeiten finden dabei oft in Umgebungen statt, die hochkomplex sind und eine bestimmte Unberechenbarkeit mitbringen. Es geht nicht so sehr darum, die richtige Lösung zu finden, sondern viel mehr die richtige Entscheidung für eine Lösung zu treffen.


Wandel des Finanz- und Immobiliensektors

Der Finanz- und Immobiliensektor ist eine Branche, die von diesem Wandel schon jetzt sichtbar betroffen ist. Seit einigen Jahren sind vielfältige Veränderungen zu beobachten. Damit gehen Euphorie und Unsicherheit gleichzeitig einher. IT-Spezialist*innen werden eingestellt und automatisieren Arbeitsabläufe mit Smart-Tools. Online-Tools bieten für Laien bis vor kurzem undenkbare Möglichkeiten – Immobilienschätzungen, Hypothekenberechnungen, Anlangestrategien und --umsetzungen etc. Mitarbeitende, die diese Abläufe noch selbst und ganz nach dem Motto «Ärmel hoch» erledigten, fragen sich zu Recht: «Welchen Platz habe ich in Zukunft noch in dieser Branche?»


Praxisbeispiele Bankberater*in und Immobilienmakler*in

Es gibt dabei gute Beispiele, die aufzeigen, dass gerade Finanzdienstleistungen zum quartären Bereich gehören, in welchem es nebst einem fachlichen Knowhow um Kreativität und soziale Intelligenz gleichermassen geht.


Ein erstes Beispiel ist der/die frühere klassische Bankberater*in, der/die für eine grosse Schweizer Bank tätig war. Was einst zu seinen/ihren Aufgaben gehörte, ist heute gerade im Bereich des «Private Bankings» zu einem Beziehungsgeschäft geworden. Diese Kompetenz führt die einstigen Bankberatenden weg von den Grossbanken hinzu Family Offices, Privatbanken und Vermögensverwaltungen. Der/die heutige Bankberater*in ist weniger nur Fachspezialist, sondern er/sie kennt die Bedürfnisse, Ängste und Lebensziele seiner/ihrer Kund*innen, nimmt diese wahr, steuert vertrauensvoll die gesamte Vermögenssituation und vielleicht sogar noch mehr.


Ein zweites Beispiel sind die Immobilienmakler*innen bei einer Immobilientransaktion.

Was früher mit grossem Aufwand und Knowhow verbunden war, ist heute «gang und gäbe» - eine Wohnimmobilie kann einfach und schnell ohne Makler*in online gestellt und verkauft werden. Entsprechend ist bei solchen Transaktionen zukünftig der Mehrwert des Engagements eines/einer Makler*in ungewiss. Zukunftsgerichtete Makler*in entwickeln sich – beispielsweise in Richtung eines/einer Transaktionsexpert*in. Nicht mehr nur das Vermarkten und Verkaufen der Immobilie steht im Fokus, sondern ebenso deren Finanzierung und die Vermittlung zwischen den Parteien, um den grösstmöglichen Gewinn für beide Seiten zu erzielen. Gerade bei grösseren und komplexen Immobilientransaktionen (bspw. in einem SPV – special purpose vehicle) ist nebst einer fundierten Expertise, eine hohe soziale Intelligenz (ein «Gespür») notwendig. Denn hier geht es darum, aus der Optionenvielfacht die richtige Entscheidung für die Kund*innen zu ermöglichen.


Chance für Affines als Finanzdienstleister*in

Affines ist entsprechend ebenso von diesem Wandel betroffen, dennoch nimmt sie dies als Finanzdienstleister*in im Immobilien- und Finanzbereich als Chance wahr und zeichnet sich durch ihre Kreativität für individuelle Lösungen aus. Sie bringt das notwendige «Gespür» für die Kund*innen und ihre Anliegen mit und setzt hier ihre Expertise an. Denn es geht nicht nur darum, eine Lösung für die Kund*innen zu finden. Vielmehr steht das Ziel im Fokus, den Kund*innen die unterschiedlichen Lösungswege aufzeigen und die Kund*innen zu unterstützen, die richtige Entscheidung für einen der Wege zu treffen.

[1] Osborne, M. A. & Frey, C.B. (2013, 2016). The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerization. Verfügbar unter https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf [2] Precht, R. D. (2022). Freiheit für alle. Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten (1. Aufl.). München: Goldmann.

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